Gestaltung der mobilen Arbeit auf Abteilungsebene

Mehr Familienzeit durch mobiles Arbeiten ist Aushandlungssache

Dr. Werner Eichhorst ist Direktor für Arbeitsmarktpolitik Europa am Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit. Seine These für die Zukunft des mobilen Arbeitens: Statt einer eigentlich wünschenswerten Vertrauenskultur werden sich neue Formen von Bestimmungen für Arbeitsprozesse etablieren. Für die Vereinbarkeit heißt das, es müssen unternehmensintern Schutzmechanismen ausgehandelt werden.

Herr Eichhorst, mobiles Arbeiten hat nicht den Siegeszug angetreten, den man in den 1990er-Jahren noch vorausgesagt hat: Was ist in den letzten fünf Jahren passiert und wie wird die Entwicklung weitergehen?

Technischer Fortschritt, die Bedienungsfreundlichkeit der Endgeräte und die Geschwindigkeit, mit der Daten ausgetauscht werden können, sind gewachsen. Es wird in Zukunft gemischte Arbeitsformen geben: mobil, im Homeoffice oder die klassische Anwesenheit im Büro. Was sich nicht in der Breite durchsetzen wird, ist die reine Arbeit im Homeoffice oder rein mobiles Arbeiten. Dafür sind die persönlichen Kontakte zu zentral.

Wie muss man mobiles Arbeiten gestalten, damit Vereinbarkeit von Beruf und Familie funktioniert?

Dies muss auf betrieblicher Ebene oder sogar auf der Ebene von Abteilungen und Projektteams geregelt werden. Zwei Varianten sind denkbar: eine Vertrauenskultur, bei der Kollegen und Vorgesetzten realisieren, dass sofortige Antworten auf Anfragen nicht immer möglich oder notwendig sind. Die zweite Variante ist ein explizites Formulieren von Regeln. Das heißt zum Beispiel, dass jemand innerhalb bestimmter Zeiten nicht verpflichtet ist, Anrufe auf seinem Diensthandy entgegenzunehmen.

Werden Unternehmen eher auf Regeln oder eher auf eine Vertrauenskultur setzen?

Das Wünschenswertere wäre die Vertrauenslösung. Ich sehe aber, dass es in wissensbasierten Berufen zunehmend Versuche gibt, striktere Kontrolle und Führung zu etablieren. Denn mit dem technischen Fortschritt, der weltweiten Integration und einer stärker projektorientierten Arbeitsform wachsen die Anforderungen an Unternehmen, aber auch die Möglichkeiten zur Überwachung der Beschäftigten. Dies heißt vor allem Beschleunigung. Ich glaube, dass wir unter diesem Druck einen Anstieg von Regeln erleben werden. Im Hinblick auf Vereinbarkeit kann das problematisch sein, da dann informelle, vertrauensbasierte Lösungen unter Umständen verdrängt werden.

Wie können Unternehmen eine vereinbarkeitsfreundliche Mobilitätsleitlinie aufstellen?

Dies ist Aushandlungssache innerhalb der Unternehmen. Ich denke, es sollten insbesondere Führungskräfte genau klären, wie dringend sie in welchen Fällen eine schnelle Bearbeitung und maximale Erreichbarkeit benötigen. Wichtig ist, Schutzmechanismen zu etablieren, damit Beschäftigte wissen, innerhalb welcher Zeiträume sie erreichbar sein, Ergebnisse liefern und Mails beantworten müssen, wann sie aber auch Familienzeit einplanen können. Wie dies genau gestaltet wird, ist immer wieder Aushandlungssache, in jedem Unternehmen und auf verschiedenen Hierarchieebenen.

Vielen Dank für das Gespräch.

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