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Gemeinsame Veranstaltung des Unternehmensnetzwerks "Erfolgsfaktor Familie" und der berufundfamilie Service GmbH in Dortmund und Stuttgart.

Bild zeigt Gruppenarbet

Quelle: Netzwerkbüro "Erfolgsfaktor Familie"

Ob Elternzeit, Pflege oder andere familiäre Belange - Menschen haben unterschiedliche Vorstellungen davon, wie sie Lebensphasen gestalten möchten. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer fragen daher zunehmend nach individuellen Vereinbarkeitslösungen, meist sind diese jedoch nicht explizit in den Personalkonzepten der Unternehmen integriert.

Die Workshops des Netzwerkbüros "Erfolgsfaktor Familie" und der berufundfamilie Service GmbH am 8. Februar in der IHK zu Dortmund und am 22. Februar in der IHK Region Stuttgart drehten sich deshalb um die Frage, was eine individualisierte Personalpolitik konkret bedeutet, und welche Chancen und Herausforderungen sie für das Unternehmen und die Belegschaft mit sich bringt.

Dabei stellte das Netzwerkbüro „Erfolgsfaktor Familie“ zunächst vor, was die NEUE Vereinbarkeit in der betrieblichen Praxis für Veränderungen mit sich bringt, bevor Birgit Weinmann von der berufundfamilie Service GmbH einen Blick in die Zukunft wagte. Denn Digitalisierung, demografischer Wandel, Globalisierung und die Beschleunigung von Arbeitsprozessen führen zu neuen Herausforderungen, die von Beschäftigten und Arbeitgebern gleichermaßen getragen werden sollten.

Dem Vortrag von Birgit Weinmann lag die als Explorationsstudie angelegte Befragung „Vereinbarkeit 2020“ zugrunde. Ihr Fokus ruht auf der Relevanz von Lebensentwürfen im Kontext der Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben. Mehrere Arbeitgeber aus dem Rhein-Main-Gebiet beteiligten sich. Rund 1.000 Beschäftigte antworteten, so dass eine valide Datenbasis generiert wurde.

Insgesamt konnten drei Lebensentwurfscluster identifiziert werden, die sich in Priorisierungen der abgefragten Motivations- und Entscheidungsparameter der Beschäftigten unter-scheiden:

  •  Im Cluster A, der größten Gruppe, stehen beispielsweise flexible Arbeitszeitmodelle und der Einfluss entsprechender Gestaltungsspielräume auf das Privatleben auf den vorderen Plätzen.
  •  Im Cluster B, in dem Führungskräfte überrepräsentiert sind, werden Entwicklungsmöglichkeiten und leistungsgerechte Vergütung, aber auch die Notwendigkeit der Väterförderung priorisiert.
  •  Im Cluster C finden sich überproportional viele Beschäftigte ohne Familienaufgaben im engen Sinne, die das Betriebsklima für die Vereinbarkeit im Gegensatz zu den ersten beiden Clustern als weniger gut empfinden.

Weinmann präsentierte mit Blick auf diese drei Cluster die Trends auf dem Weg zur Vereinbarkeit 2020 und berichtete, was Arbeitgeber leisten und was Beschäftigte von ihnen aktuell erwarten.

Als Praxisbeispiel stellte sie in Dortmund die Firma ExTox Gasmess-Systeme aus Unna vor, Gewinner des Unternehmenswettbewerbs „Erfolgsfaktor Familie 2016“ des Bundesfamilienministeriums in der Kategorie „kleine Unternehmen“.

So hat bei ExTox eine Mitarbeiterin als „Wohlfühl-Managerin“ ein Ohr für die ganz individuellen Bedürfnisse der Beschäftigten. Das Unternehmen hat Vertrauensarbeitszeit eingeführt, und es gibt die Möglichkeit, Arbeitszeit und -ort individuell zu vereinbaren. Einen ganz besonderen Stellenwert nimmt bei ExTox das Thema Pflege ein, denn das Unternehmen möchte es für seine Belegschaft aus einer möglichen Tabuzone holen. Zwei Beschäftigte haben sich zum Pflegebegleiter ausbilden lassen, und um den offenen Umgang mit dem Thema Pflege zu verbessern, komponierte die firmeneigene Band sogar einen Song zur Vereinbarkeit von Pflege und Beruf.

Mehr als 50 Teilnehmer/innen diskutierten am 22. Februar 2017 in der IHK Region Stuttgart die Chancen und Herausforderungen einer individualisierten Personalarbeit. Große Zustimmung erhielt die These, dass individuelle Vereinbarkeitslösungen immer auch Teamlösungen sein müssen. Arbeitsorganisation und Vertretungsregelungen sind dabei zentrale Stellschrauben. Individualisierte Personalarbeit braucht aber auch die Eigenverantwortung der Beschäftigten. Teambuildingmaßnahmen sind hier ein wichtiger Ansatzpunkt. Ob die Personalarbeit der Zukunft in erster Linie Veränderungs- und Kulturarbeit ist wurde kontrovers betrachtet. Einblicke in die Personalarbeit ihrer Unternehmen gaben in Stuttgart Jasmin Schmalenbach (Südwestbank AG) und Matthias Stroezel (SSC-Services GmbH). Ihr Fazit für eine individualisierte Personalarbeit: Eine authentische, klare und vertrauensvolle Kommunikation ist die Basis. Wichtig ist, auch die Grenzen für individualisierte Lösungen aufzuzeigen. Es gehe nicht darum, viele Angebote zu machen, sondern solche, von denen viele profitieren. Wegen der großen Nachfrage in der Region Stuttgart wird dieser Workshop voraussichtlich im Juli wiederholt. Informieren Sie sich auf dieser Homepage unter „Termine“.

Zum Abschluss der Veranstaltung wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aufgefordert, selbst zu diskutieren, was ihrer Meinung nach die größte Herausforderung der individualisierten Personalpolitik ist. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen dabei überein, dass Kommunikation das A und O ist – im Team, in der Paarbeziehung aber auch gegenüber dem Arbeitgeber. Denn nur wenn eine offene und wertschätzende Dialogkultur auf allen Ebenen gelebt wird, können diese auch ineinandergreifen und so miteinander agieren, dass eine individuelle Personalpolitik für alle Seiten gewinnbringend ist.

Zu Bildern der Veranstaltung in Dortmund gelangen Sie auch hier.

Die Präsentation aus Dortmund können Sie hier downloaden.

Eine Präsentation mit Bildern aus der Veranstaltung in Stuttgart können Sie hier einsehen.

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