Die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf gewinnt in immer mehr Unternehmen zunehmend an Bedeutung. Das weiß auch Evelin Schrems, Pflegeberaterin im Landkreis Tirschenreuth bei der AOK Bayern. In ihrem Beruf unterstützt und berät sie Pflegebedürftige und pflegende Angehörige. 2012 lernte Evelin Schrems das Bündnis für Familie im Landkreis Tirschenreuth kennen und wurde Mitglied. Ein gemeinsamer Austausch im Bündnis zum Thema „Pflege“ führte zur Feststellung, dass dieses Thema präsenter werden muss und bei der Unterstützung von Familien nicht vergessen werden darf. „Viele Angehörige von Pflegebedürftigen sind berufstätig. So ist es oft schwierig, zusätzlich eine gesunde Balance zwischen Familie, Pflege und Beruf zu finden“, sagt Veronika Ziegler vom Bündnis für Familie. Sie ist seit 2022 Bündniskoordinatorin und arbeitet im Kreisjugendamt Tirschenreuth, Bereich soziale Dienste, Fachstelle Familienbildung. Das Bündnis gibt es seit 2004 mit dem Ziel, das Leben für Familien im Landkreis Tirschenreuth lebenswerter und familienfreundlicher zu gestalten. Durch die Zusammenarbeit der verschiedenen engagierten Akteurinnen und Akteure im Bündnis werden Projekte entwickelt und erfolgreich umgesetzt.
Das größte gemeinsame Projekt zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Pflege und Beruf ist die Schulung der betrieblichen Pflegelotsen, die das erste Mal 2025 stattfand. „Die Frage nach der Vereinbarkeit von Pflege und Beruf stellt für Unternehmen und deren Mitarbeitende eine besondere Herausforderung dar. Es kann jeden von einem Moment auf den anderen betreffen und wirft viele Fragen auf. Die betrieblichen Pflegelotsen sind hier ein erster Schritt in die richtige Richtung“, betont Veronika Ziegler. Das Bündnis machte aktiv Werbung für die Schulung, und das mit Erfolg: Es gab mehr Interessierte als verfügbare Plätze.
Die Schulung vermittelt umfassendes Wissen zur Aufgabe und Rolle von betrieblichen Pflegelotsen, zum Gutachtenverfahren des Medizinischen Dienstes, zu Leistungen und Ansprüchen, zum regionalen Versorgungssystem und seiner Finanzierung, zu Freistellungsmöglichkeiten nach dem Arbeitsrecht und weiteren Themen. Nach der Schulung sind die frisch ausgebildeten betrieblichen Pflegelotsen in der Lage, bei betroffenen Mitarbeitenden im Unternehmen eine Erstberatung durchzuführen, Fragen zu beantworten und Kontakt zu den passenden Stellen herzustellen.
Das Feedback war sehr positiv: „Alle waren sehr zufrieden mit der Schulung und den vielfältigen Informationsmaterialien im Nachgang. Die Unternehmen haben sogar mit uns direkt Kontakt aufgenommen und gefragt, ob sie die Informationsmaterialien bei sich auslegen dürften. Manche Unternehmen haben aus den Materialien kleine Büchlein zum Nachschlagen und Flyer für die Mitarbeitenden gestaltet“, berichtet Evelin Schrems. „Für Unternehmen haben die betrieblichen Pflegelotsen viele positive Aspekte. Durch diese Unterstützung können Fachkräfte langfristig gehalten und gewonnen werden.“
Zukünftig ist geplant, die Schulung in Tirschenreuth alle zwei Jahre stattfinden zu lassen. Die hohe Nachfrage der Unternehmen ist ermutigend: So können weitere betriebliche Pflegelotsen ausgebildet und die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf kann zusätzlich gestärkt werden.