AXA Konzern AG
Beschäftigte: ca. 8.400 (bundesweit)
Standort: Köln / Nordrhein-Westfalen
Branche: Versicherung
Was?
AXA zeigt eindrucksvoll, wie Unternehmen einen sensiblen und oft tabuisierten Bereich – Trauer am Arbeitsplatz – aktiv und unterstützend gestalten können. Ziel ist es, Beschäftigten in belastenden Lebensphasen Orientierung zu geben und Führungskräfte handlungsfähig zu machen.
Warum?
Trauer ist Teil der Arbeitsrealität: jeder fünfzehnte Beschäftigte in Deutschland befindet sich in einem akuten Trauerprozess. Trauer ist damit kein Randthema, sondern betrifft viele Teams unmittelbar.
Gerade pflegende Beschäftigte erleben, dass Fürsorge und Verlust eng miteinander verbunden sein können. Die Auswirkungen auf den Arbeitsalltag sind vielfältig: von Konzentrationsproblemen über sinkende Belastbarkeit bis hin zu Fehlzeiten oder innerer bzw. tatsächlicher Kündigung.
Gleichzeitig herrscht in vielen Betrieben noch Unsicherheit im Umgang mit dem Thema – sowohl bei Beschäftigten als auch bei Führungskräften. Vor dem Hintergrund längerer Lebensarbeitszeiten und der demografischen Entwicklung müssen sich Betriebe jedoch zukünftig (noch) stärker auch dem Thema „Verlust und Trauer am Arbeitsplatz“ stellen.
Wie?
Eine interne Befragung zeigte den Wunsch der Belegschaft nach weiteren Unterstützungsangeboten. Daraus entstanden unter anderem folgende Maßnahmen:
- Aufbau interner Kompetenz: Eine qualifizierte Ansprechperson für das Thema Trauer steht den Beschäftigten zur Verfügung.
- Qualifizierung von Führungskräften: Entwicklung eines kompakten E-Learnings (40 Minuten) für 800 Führungskräfte. Darüber hinaus wurde das Thema als Seminarbaustein in die Führungskräfteausbildung in Präsenz integriert.
- Angebot konkreter Handlungshilfen: z. B. Leitfäden für den Umgang mit und die Kommunikation in schwierigen Situationen (z. B. Todesfälle oder Suizid im Umfeld), klare Regelungen – etwa zur Teilnahme an Beerdigungen – sowie Checklisten zur sensiblen Gestaltung von Trauerritualen im Betrieb. Trauerrituale müssen nicht aufwendig sein. Schon eine gemeinsame Schweigeminute, ein Erinnerungsbuch mit persönlichen Worten der Kolleginnen und Kollegen oder eine Erinnerungspflanze können helfen, Abschied zu nehmen und Wertschätzung auszudrücken. Wichtig ist, dass die Form des Gedenkens zur verstorbenen Person und zum Team passt und den Zusammenhalt im Unternehmen stärkt.
Ergänzend zu den genannten Maßnahmen wurden bestehende Angebote zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege erweitert. Außerdem wurden Informations- und Beratungsangebote zu den Themen Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht eingeführt.
Erfahrung?
Anja Gebhardt (Brand & Corporate Communication) sorgt bei AXA Deutschland dafür, dass der Umgang mit Trauer und anderen belastenden Lebenssituationen in unterschiedlichen Unternehmensbereichen mitgedacht und nachhaltig verankert wird. Dabei entwickelt sie gemeinsam mit den jeweiligen Fachbereichen Lösungen, die Führungskräften Orientierung geben, Mitarbeitende unterstützen und eine wertschätzende Unternehmenskultur fördern. Die Resonanz im Unternehmen ist durchweg positiv. Die Wirkung auf den Punkt gebracht: mehr Sicherheit, mehr Vertrauen, mehr Bindung!
Führungskräfte fühlen sich im Umgang mit betroffenen Mitarbeitenden deutlich sicherer. Gleichzeitig erleben Beschäftigte ihren Arbeitgeber als unterstützend und wertschätzend – gerade in schwierigen Lebensphasen.
Die gestiegene Sensibilität für das Thema wirkt inzwischen über die Belegschaft hinaus: Auch Bereiche mit Kundenkontakt, wie der Vertrieb, werden in die Maßnahmen einbezogen.
Die Erfahrungen von AXA zeigen: Eine trauersensible Unternehmenskultur muss kein Großprojekt sein. Entscheidend ist, das Thema zu enttabuisieren und erste konkrete Schritte zu gehen. „Gerade kleine und mittlere Unternehmen haben hier besondere Chancen: kürzere Wege, engere persönliche Beziehungen, direkter Austausch“ so Anja Gebhardt.
Tipp?
„Fangen Sie einfach an!“ rät Anja Gebhardt. „Schon kleine Maßnahmen können viel bewirken – etwa ein offenes Gesprächsangebot, klare Regelungen oder erste Sensibilisierungsangebote für Führungskräfte. Denn: Trauer gehört zum Leben – und damit auch zum Arbeitsalltag. Ein bewusster Umgang damit stärkt nicht nur die einzelnen Beschäftigten, sondern das gesamte Unternehmen.“