ElterngeldPlus plus Teilzeit erhöhen die Bindung ans Unternehmen

Petra Kather-Skibbe ist Beraterin bei KOBRA, einer Beratungsorganisation für Frauen und Unternehmen in Berlin. Einer ihrer Schwerpunkte ist das Thema Elterngeld und ElterngeldPlus. Gerade für Väter schafft das ElterngeldPlus aus ihrer Sicht neue Möglichkeiten, Elternzeit und Teilzeit zu kombinieren.  

 Frau Kather-Skibbe, wie unterscheidet sich das ElterngeldPlus vom Basiselterngeld?
Es unterscheidet sich vor allem in zwei Punkten. Erstens: Das Basiselterngeld von monatlich maximal 1.800 Euro gibt es nur innerhalb der ersten 14 Lebensmonate des Kindes. Mit dem ElterngeldPlus verdoppelt sich die Bezugszeit: Aus einem Monat mit Basiselterngeld werden zwei Monate mit ElterngeldPlus. Das ElterngeldPlus steht damit wesentlich länger zur Verfügung, auch über den 14. Lebensmonat hinaus. Zweitens: In beiden Fällen ist die Arbeit in Teilzeit bis höchstens 30 Wochenstunden möglich. Sowohl das Basiselterngeld als auch das ElterngeldPlus berechnet sich aus der Differenz zwischen dem durchschnittlichen Einkommen aus Teilzeitbeschäftigung in den Bezugsmonaten und dem maßgeblichen monatlichen Netto vor der Geburt des Kindes. Allerdings ist das monatliche ElterngeldPlus begrenzt auf die Hälfte des Basiselterngeldes, das ohne die Teilzeit zustünde. Ein Beispiel: Ein Vater hat ein maßgebliches monatliches Nettoeinkommen von 2.770 Euro. Ohne Teilzeitbeschäftigung bekommt er 1.800 Euro Basiselterngeld. Würde er zehn Stunden arbeiten und dadurch 900 Euro netto verdienen, dann würden diese 900 Euro von den 2.770 Euro abgezogen. Vom Restbetrag in Höhe von 1.870 Euro würden 65 Prozent berechnet. Das sind 1.215,50 Euro. Zusammen mit dem Verdienst hätte er dann 2.115,50 Euro monatlich zur Verfügung und würde jeweils einen vollen Elterngeldmonat verbrauchen. Wenn er sich für ElterngeldPlus entscheidet, dann bekommt er ebenfalls den Einkommenswegfall ersetzt, aber pro Lebensmonat maximal die Hälfte seines Basiselterngeldanspruchs ohne Zuverdienst, also 900 Euro. Dies aber für die doppelte Anzahl der Lebensmonate. Bei zwölf Lebensmonaten mit Teilzeit und Basiselterngeld erhielte der Vater in unserem Beispiel 14.586 Euro Elterngeld. Im ElterngeldPlus-Modell mit Teilzeit bekäme er insgesamt 7.014 Euro mehr Elterngeld, also 21.600 Euro, gestreckt über 24 Monate, und hätte monatlich 900 Euro aus Erwerbstätigkeit zuzüglich 900 Euro Elterngeld zur Verfügung.

Was sind die Argumente aus Arbeitgeberperspektive für die eine und die andere Variante?
Mit dem ElterngeldPlus können Arbeitgeber durch den schnellen Wiedereinstieg und die attraktivere Gestaltung der Zuverdienstmöglichkeiten die Bindung ihrer Beschäftigten ans Unternehmen festigen. Damit Arbeitgeber ihren Personalbedarf planen können, sollten sie ein offenes Gespräch mit den werdenden Eltern suchen. Mit der Abgabe des Elternzeitantrags müssen die Eltern ihre Planung der Elternzeit und den Umfang einer gegebenenfalls späteren Teilzeitarbeit für die nächsten zwei Jahre mitteilen. Bezüglich des Umfangs der Teilzeit geht das Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz vom Einvernehmen zwischen Arbeitgebern und ihren Beschäftigten aus. Bei der Wahl zwischen Basiselterngeld und ElterngeldPlus ist zu bedenken, dass vor allem Alleinerziehende und Geringverdienende es sich oft nicht leisten können, monatlich auf höhere Summen zu verzichten, weil die laufenden Kosten zu hoch sind, und sich daher oft für das Basiselterngeld entscheiden.


ElterngeldPlus als Schrittmacher für mehr Väterfreundlichkeit

Hans-Georg Nelles ist Sozialwissenschaftler und Berater, er ist Mitglied im Vorstand des Bundesforums Männer und er ist Elterngeldexperte. Seine These: Das neue ElterngeldPlus gibt Vätern die Möglichkeit, Teilzeitarbeit auf Zeit mit Rückkehrrecht in Vollzeit auszuprobieren. Unternehmen rät er, dies Vätern aktiv anzubieten.

Herr Nelles, welche Rolle kann das ElterngeldPlus dabei spielen, dem Vereinbarkeitsbedarf von Vätern entgegenzukommen?
Schauen wir kurz zurück auf das Jahr 2007, als das Elterngeld in Kraft trat: Es war eine Steilvorlage, mit den Vätern über ihre Vorstellungen von Vereinbarkeit von Beruf und Familie ins Gespräch zu kommen. Für zwei Monate Elternzeit besteht in Unternehmen mittlerweile großes Verständnis. Väter, die eine längere Elternzeit nehmen wollen, müssen sich rechtfertigen, genauso wie für den Wunsch, in Teilzeit zu arbeiten. Das neue ElterngeldPlus kann auch hier wieder Schrittmacher sein für die Anerkennung eines größeren Vereinbarkeitsbedarfs von Vätern, die sich um ihre Kinder kümmern wollen und ihre Partnerinnen in deren Karrieren unterstützen möchten. Es bietet ja die Möglichkeit, dass beide Eltern Teilzeit arbeiten und Elterngeld beziehen können, ohne dass es einen doppelten Anspruchsverbrauch gibt. Dies fördert eine Aufteilung von Erwerbs- und Familienarbeit auf Augenhöhe und damit auch das Verlassen ausgetretener Pfade in der jeweiligen Rollenzuweisung – für Arbeitgeber eine Gelegenheit, diese Pfade ebenfalls zu verlassen.

Inwiefern können Unternehmen sich mit dem ElterngeldPlus denn als väterfreundlich positionieren?
Unternehmen können das ElterngeldPlus als Chance nutzen, den Vätern die Erfüllung ihres Herzenswunsches, mehr Zeit für Familie zu haben, „auf Probe“ zu ermöglichen. Väter können ausprobieren, wie es sich für sie anfühlt, parallel zu ihren Partnerinnen in den Bonusmonaten 25 bis 30 Stunden zu arbeiten, Elterngeld zu beziehen und Zeit für das Kind zu haben. Das Ganze ohne jedes Risiko, denn es besteht ja das Recht auf Rückkehr auf den Vollzeitjob. Betriebe können Väter bei genau diesen Wünschen abholen, sie intensiv zusammen mit ihren Partnerinnen beraten und sich so als väterfreundliche Unternehmen positionieren. Auch organisatorisch sollte dies kein großes Problem darstellen: Denn die Unternehmen haben mehr als ein Jahr Zeit, sich darauf vorzubereiten.

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