Interview mit Knut Wetzig

Unternehmenskultur lockt Hochqualifizierte

Er ist Unternehmer des Jahres 2017 in der Kategorie „Fachkräftesicherung und Familienfreundlichkeit“ für Mecklenburg-Vorpommern. Knut Wetzig, Geschäftsführer der DBL Textil-Service Mecklenburg GmbH in Parchim mit rund 200 Beschäftigten, meint: Eine familienfreundliche Unternehmenskultur ist die Voraussetzung dafür, den Kopf bei der Arbeit frei zu haben. Das zu vermitteln ist Teil seines Erfolgsrezepts.

Herr Wetzig, wie würden Sie die Kommunikation rund um Ihre familienfreundliche Unternehmenskultur beschreiben?
Wir sind ein Familienunternehmen, das bekannt dafür ist, familienfreundlich zu sein. Wir sind zwar sehr schnell gewachsen und haben uns in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt – wir fühlen uns aber noch nicht so. Unsere Kommunikation ist deswegen immer noch recht bodenständig und persönlich. Hierarchien sind bei uns zwar im Organigramm eingezeichnet, allerdings versuchen wir, im Arbeitsalltag immer von Mensch zu Mensch zu kommunizieren und alle Sorgen unserer Beschäftigten gleich ernst zu nehmen. Von meinen Bereichsleitern erfahre ich, was die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Sie müssen immer über sämtliche Maßnahmen, die wir anbieten können, informiert sein und diese auch mittragen.

Woran machen Sie Ihre familienfreundliche Unternehmenskultur fest?
Wir übernehmen die Kitakosten für unsere Beschäftigten mit Kindern. Außerdem schließen wir viele Einzelvereinbarungen beispielsweise zu Pflegezeiten oder flexibler Arbeitszeit. Wir versuchen immer, eine offene Gesprächsatmosphäre herzustellen. Für mich ist die Zielrichtung, dass die Beschäftigten den Kopf frei haben sollen, um ihre Arbeit gut und erfolgreich zu bewältigen. Ich möchte nicht, dass sie morgens angehetzt kommen, weil die Arbeitszeit um Punkt sieben Uhr beginnt, obwohl die Kita offiziell erst um sieben öffnet. Für mich selber gilt außerdem, dass ich mich hier nicht völlig verausgaben kann. Denn abends warten meine vier Kinder im Alter von ein paar Monaten bis fünf Jahre auf mich, dort habe ich gewissermaßen meinen Zweitjob. Das geht natürlich anderen auch so. Deswegen dürfen die Menschen nicht ständig „am Anschlag“ sein, sondern brauchen auch Phasen, in denen alles ein bisschen ruhiger läuft. Das versuche ich zu vermitteln.

Welche Tipps würden Sie den vielen KMU in unserem Netzwerk in Bezug auf Kommunikation zum Thema Familienfreundlichkeit geben?
Drei Dinge: Die junge Generation möchte mehr mitbestimmen, mehr Einfluss auf Entscheidungen nehmen. Sie stellt meiner Erfahrung nach ihre persönlichen Ansichten und auch Sorgen stärker in den Mittelpunkt als die des Unternehmens. Unternehmen, die diese Zielgruppe binden wollen, müssen ihre Kommunikation darauf einstellen. Zweitens – und das hängt miteinander zusammen – rate ich Unternehmen, ihre Beschäftigten mit einzubeziehen. Oft schnürt ein Arbeitgeber mit einem kleinen Gremium ein Maßnahmenpaket für die Beschäftigten und wundert sich nach der Einführung, dass es kaum Wertschätzung erfährt. Drittens müssen Unternehmen die Konsequenzen dessen, was sie anstoßen, frühzeitig mit bedenken. Wir haben beispielsweise die Übernahme der Kitakosten für unsere Beschäftigten eingeführt. Die Älteren unter uns hatten auch Kitakosten, die niemand für sie übernommen hat. Sie haben das Unternehmen mit aufgebaut und sind, was das angeht, leer ausgegangen. Das müssen Sie vorher reflektieren! 

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