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Kriterien für Fairness in der Personalpolitik

Prof. Jutta Rump stellt im Unternehmensnetzwerk erstmalig die Handlungsfelder einer fairen Personalpolitik in Bezug auf Vereinbarkeit vor.

Die Direktorin des Instituts für Beschäftigung und Employability (IBE) Prof. Dr. Jutta Rump präsentiert im Webseminar des Unternehmensnetzwerks „Erfolgsfaktor Familie“ erstmalig die Handlungsfelder einer fairen Personalpolitik unter besonderer Berücksichtigung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie/Privatleben (Vortragsmitschnitt).

Fairness als grundlegender Faktor der Unternehmenskultur

In der Pandemie haben viele Unternehmen eine Beschleunigung der Entwicklungen in der Arbeitswelt erlebt und an vielen Stellen hybride, mobile und flexible Arbeitsformen umgesetzt. Gleichzeitig stellt sich die Frage, welche Flexibilisierungsangebote denjenigen Berufsgruppen gemacht werden können, die an Arbeitsort und Arbeitszeit gebunden sind. „In vielen Fragen der Personalpolitik wird Fairness als Grundlage der Unternehmenskultur sichtbar und mehr und mehr thematisiert. Es treten Spannungsfelder auf, deren Ursachen in den intensiven Veränderungsströmen der Arbeitswelt liegen“, erläutert Prof. Rump.

Neue Normalität der Arbeitswelt

Die bekannten Megatrends der Arbeitswelt werden durch die Pandemie stark beschleunigt, so die Forschungsergebnisse des IBE. Hervorzuheben sind hierbei insbesondere digitale, ökonomische und ökologische Veränderungen. Während der Pandemie erforschte das Institut die aktuellen arbeitsweltlichen Entwicklungen und fasste sie 2021 im Begriff der „Neuen Normalität der Arbeitswelt“ zusammen: „Es ist der Versuch, die neue Realität der Arbeitswelt zu strukturieren und abzubilden. Ihre Bestandteile sind nicht neu – neu sind die Geschwindigkeit und das Ausmaß, mit der die Veränderungen kommen“, sagt Prof. Rump. Das werfe die Frage auf, wie die Beschäftigten in dieser Intensität des Wandels zurechtkommen und was ihnen Unternehmen und Institutionen anbieten müssen, damit sie nicht die Orientierung verlieren.

Nichts ist ungerechter, als Ungleiche gleich zu behandeln

Drei Spannungsfelder der digitalen, ökonomischen und ökologischen Transformation greift Prof. Rump im Vortrag heraus:

  1. Ort und Zeit: Wahlfreiheit im Kontext von Arbeitsort und Arbeitszeit versus Starrheit in Ort und Zeit
  2. Umgang mit Personal: harte Personalanpassungen versus Umwerben von bestimmten Fach- und Nachwuchskräften
  3. Verfügbarkeit: grenzenlose Verfügbarkeit versus eingeschränkte Verfügbarkeit wegen Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Entlang der abgebildeten Konflikte der „Neuen Normalität der Arbeitswelt“ und der arbeitsweltlichen Themenfelder von Fairness (Fairness und Führung / Fairness in der Mitarbeitergewinnung und Mitarbeiterbindung / Fairness und Entgelt) entwickelt Prof. Rump Kriterien für eine faire Personalpolitik. Die Handlungsempfehlung für Unternehmen ist, klar und transparent darüber zu informieren, warum diese Spannungsfelder entstanden sind und wie mit ihnen umgegangen wird. Damit können Investitionen in die Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeitenden verbunden sein und gegebenenfalls eine Kompensation der Nachteile. Ebenfalls zu einer fairen Personalpolitik zählen Wertschätzung, Fürsorge und Vorsorge sowie eine Verbindlichkeit der Zusagen. Prof. Rump betont, dass die Diversität der Beschäftigten zu berücksichtigen sei: „Denn nichts ist ungerechter, als Ungleiche gleich zu behandeln“.

Fairness als Erfolgsfaktor im Transformationsmanagement

Angesichts der Anforderungen, die die „Neue Normalität der Arbeitswelt“ mit sich bringe, gelte für Unternehmen wie Beschäftigte der Leitsatz: in Bewegung bleiben, ohne die Balance zu verlieren. Unternehmen, die ihre Beschäftigten dabei unterstützen, profitieren bei der Wettbewerbsfähigkeit: „Denn am Ende des Tages brauchen wir Mitarbeitende, die sich nicht nur bewegen und mit den Veränderungen mitgehen, sondern auch im Gleichgewicht bleiben. Das Thema Fairness und insbesondere die Vereinbarkeit und eine lebensphasenorientierte Personalpolitik zahlen extrem auf dieses Konto ein“, unterstreicht Prof. Rump.

Der vorgestellte Kriterienkatalog stieß im Unternehmensnetzwerk „Erfolgsfaktor Familie“ auf große Resonanz. Über 180 Teilnehmende folgten den Ausführungen von Prof. Rump und nahmen am anschließenden Austausch teil. Die Aufzeichnung des Webseminars steht im YouTube-Kanal von „Erfolgsfaktor Familie“ zur Verfügung. Das Netzwerkbüro „Erfolgsfaktor Familie“ wird die Auseinandersetzung mit dem Thema „Fairness in der Arbeitswelt“ fortführen.

 

Dr. Jutta Rump ist Professorin für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Internationales Personalmanagement und Organisationsentwicklung an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen. Darüber hinaus ist sie Direktorin des Instituts für Beschäftigung und Employability (IBE) in Ludwigshafen. Ein besonderer Schwerpunkt ihrer Forschung ist lebensphasenorientierte Personalpolitik.

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