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Interview: Zwischenstand Talente-Transfer

Im Interview mit dem Netzwerkbüro „Erfolgsfaktor Familie“ erzählt uns Heike Rosenberg (IKK Südwest) über ihre Erfahrungen mit dem Modell.

Interview mit Heike Rosenberg (IKK Südwest)

Im Juni haben wir Heike Rosenberg, Referentin Personalservice bei der IKK Südwest, zum innovativen Kompetenzerfassungsmodell „Talente-Transfer“ bei der IKK Südwest interviewt. Im Interview auf YouTube schilderte sie uns, welche Ziele die IKK mit dem Modell verfolgt, wie die Beschäftigten von diesem Modell profitieren und wie es in die Praxis umgesetzt werden soll. Inzwischen haben die ersten Workshops mit Beschäftigten und der Führungsebene in der IKK Südwest stattgefunden. Im Interview mit dem Netzwerkbüro „Erfolgsfaktor Familie“ erzählt uns Heike Rosenberg, welche Erfahrungen die IKK mit dem Modell gemacht hat und welche Schritte für die Zukunft geplant sind.

Frau Rosenberg, wir haben Sie im Juni bereits einmal getroffen, um über den Talente-Transfer bei der IKK Südwest zu sprechen. Was ist seitdem passiert?

Rosenberg: "Wir bieten mit Stolz weiterhin den IKK Talente-Transfer unseren Mitarbeiter/innen an und entdecken so die vielen Schätze, die wir mit unseren Beschäftigten bei der IKK Südwest haben! Es macht Spaß, zu sehen, wie Mitarbeiter/innen ihre Kompetenzen entdecken und daran wachsen. Ihnen selbst sowie der gesamten IKK Südwest wird dadurch nochmals bewusst, welche Leistungen unsere Mitarbeiter/innen tagtäglich vollbringen und welche Kompetenzen sie für unsere IKK Südwest und ihre Versicherten einsetzen. Derzeit sind wir in einer Evaluierungsphase, d. h., wir erfassen, was gut läuft und was ggf. noch angepasst werden muss, um unser Programm noch effektiver zu gestalten. Stolz sind wir auch auf die Nachfragen anderer Unternehmen, die bereits von unserem IKK Talente-Transfer erfahren haben."

Wie laufen die Workshops in der Praxis ab?

Rosenberg: "In der Praxis können sich alle Mitarbeiter/innen– mit und ohne Führungsverantwortung – über das interne Seminarprogramm anmelden. Im Seminar IKK Talente-Transfer identifizieren die Mitarbeiter/innen ihre an privaten Lernorten, wie z. B. der Elternschaft, der Pflege von Angehörigen, im Ehrenamt, dem Sport oder einer Vereinstätigkeit, erworbenen Kompetenzen. Das tun sie in Einzel- und Gruppenübungen. Am Ende des Seminars tragen die Mitarbeiter/innenihre Kompetenzen (meist 2 bis max. 3) in eine Kompetenzmatrix ein. In einem Workshop für die Führungskräfte erarbeiten diese in Gruppenarbeit die Chancen und Risiken des IKK Talente-Transfers, die Messbarkeit von Kompetenzen am Arbeitsplatz und ein Portfolio an übertragbaren Aufgaben und Verantwortungen je Kompetenz. Sie lernen, wie sie mithilfe der Kompetenzmatrix mit dem/der Mitarbeiter/in die Kompetenzen besprechen und einsetzen können. Am Ende des Prozesses füllen Mitarbeiter/in und Führungskraft den Kompetenzgrad in die Kompetenzmatrix ein und halten fest, wie der/die Mitarbeiter/in diese Kompetenzen am Arbeitsplatz unter Beweis gestellt hat. Das Dokument verbleibt bei dem/der Mitarbeiter/in und kann zukünftig für interne Bewerbungen eingesetzt werden."

Welche Rückmeldungen haben Sie aus den Seminaren und Workshops von den Teilnehmenden erhalten?

Rosenberg: "Die Rückmeldungen der Mitarbeiter/innen waren überwiegend positiv. Viele Mitarbeiter/innen sind sich ihrer an den privaten Lernorten Familie und Pflege erworbenen Kompetenzen nicht bewusst. Es erfüllt sie mit Selbstbewusstsein, Kompetenzen zu erkennen und weiterentwickeln zu können, indem sie neue Aufgaben und Verantwortungen innerhalb ihres Arbeitsplatzes übernehmen. Sie empfinden die Seminare als Wertschätzung ihrer privaten Leistungen und möchten diese gerne für die IKK Südwest einsetzen. In dem Workshop für Führungskräfte bzgl. der Messbarkeit von Kompetenzen wurden allen Beteiligten die Chancen des IKK Talente-Transfers und die Einsatzmöglichkeiten sehr schnell bewusst. Jedoch ist der Umsetzungsgrad noch nicht da angekommen, wo wir ihn uns wünschen. Als Begründung werden die große Alltagsbelastung und der Zeitmangel genannt. Wir hoffen, dass der Mehrwert bald noch sichtbarer wird und der Zeitmangel dann keinen Hinderungsgrund mehr darstellt."

Können Sie uns ein konkretes Beispiel nennen, welche privat erworbenen Fähigkeiten eines bzw. einer Beschäftigten sich die IKK Südwest zunutze machen konnte?

Rosenberg: "Wir haben eine Mitarbeiterin, die in der Kundenberatung eingesetzt ist. Sie pflegt seit über 20 Jahren ihren Vater und seit langer Zeit auch ihre demenziell erkrankte Mutter. Darüber hinaus hat sie zwei Kinder großgezogen. In unserem Seminar wurde ihr deutlich, dass ihre Stärken in der Belastbarkeit, im „Ruhe-Bewahren“ und in der wiederholenden Erklärung von Sachverhalten liegen. In einem gemeinsamen Gespräch mit ihrer Führungskraft wurde vereinbart, dass sie herausfordernde Versicherte auch aus den Bereichen anderer Mitarbeiter/innen betreuen wird, da sie ruhig bleiben und Sachverhalte notfalls immer wieder neu erklären kann. Im Gegenzug unterstützen die anderen Mitarbeiter/innen sie in der Bearbeitung von Formalitäten bzw. der Ablage. Sowohl die Mitarbeiterin als auch die Führungskraft empfinden das als Win-win-Situation."

Können von der Kompetenzmatrix auch Führungskräfte profitieren und wenn ja, welche Vorteile haben Sie zum Beispiel im Hinblick auf die eigene Karriere?

Rosenberg: "Grundsätzlich können alle Mitarbeiter/innen am IKK Talente-Transfer teilnehmen. In unseren Seminaren haben Mitarbeiter/innen mit und ohne Führungsverantwortung teilgenommen. Das Ziel bei der IKK Südwest liegt jedoch nicht in der Übernahme neuer Funktionen, sondern in der Frage: 'Wie kann ich meine Mitarbeiter/innen stärkenorientiert an ihrem Arbeitsplatz einsetzen?' Es geht also zunächst darum, wie man den eigenen Arbeitsplatz besser bzw. stärkenorientierter ausgestalten kann. Sicherlich werden dadurch aber auch neue Blickwinkel eingenommen und ggf. sogar Kompetenzen offengelegt, die in anderen Bereichen benötigt werden. Führungskräfte haben m. E. einen doppelten Gewinn. Zum einen können sie selbst am IKK Talente-Transfer teilnehmen und mithilfe der Kompetenzmatrix, auf der die eigenen Kompetenzen verschriftlicht sind, mit ihrer Führungskraft besprechen, wie sie ihre Kompetenzen einbringen und weiterentwickeln können. Wie auch bei Mitarbeiter/innen ohne Führungsverantwortung entstehen dadurch Möglichkeiten, neue/weitere Aufgaben zu übernehmen, die noch ziel- und stärkenorientierter sind, wie bspw. die Teilnahme an bestimmten Projekten. Durch den weiteren Blickwinkel können sich natürlich auch neue Karrierechancen entwickeln, diese liegen jedoch nicht im Fokus. Zum anderen gewinnen Führungskräfte auch durch den IKK Talente-Transfer ihrer Mitarbeiter/innen. Je mehr Kompetenzen bekannt sind und je besser und stärkenorientierter die „Mannschaft“ aufgestellt ist, desto glücklicher sind die Mitarbeiter/innen, die Versicherten, Kund/innen und Leistungspartner/innen."

Welche Schritte haben Sie unternommen, um das Kompetenzerfassungsmodell zum selbstverständlichen Bestandteil des Steuerungssystems der IKK Südwest zu machen?

Rosenberg: "Gemäß der Idee haben wir den IKK Talente-Transfer unternehmensübergreifend mit den SHG-Kliniken Völklingen ausprobiert. Es haben sehr verschiedene Mitarbeiter/innen teilgenommen: Abteilungsleiter/innen, Kundenberater/innen, Väter mit einjähriger Elternzeit, Mitarbeiter/innen, die ihre Angehörige pflegen, im Ehrenamt arbeiten, alleinerziehend sind oder zu dem Zeitpunkt noch in der Elternzeit waren. Nach diesem Testlauf mit sehr positiven Ergebnissen haben wir den IKK Talente-Transfer in zwei Bereichen der IKK Südwest pilotiert: im Bereich Versicherungsservice am Standort Saarbrücken und in der Regionaldirektion Ost in Koblenz/Trier. Nach erfolgreicher Pilotphase haben wir den IKK Talente-Transfer dem damaligen Steuerungskreis, dem Personalrat und der Frauenbeauftragten vorgestellt. Alle haben sich für die Einführung des IKK Talente-Transfers ausgesprochen, was uns natürlich riesig gefreut hat. Seitdem ist der IKK Talente-Transfer Bestandteil unserer Bildungsoffensive."

Wie möchten Sie das Modell zukünftig weiterentwickeln?

Rosenberg: "Derzeit sind wir in der Evaluierungsphase. Konkret denken wir über einen noch effizienteren Umgang mit der Kompetenzmatrix nach und wie diese entsprechend angepasst werden müsste. Ferner möchten wir zeitnah die Kompetenzmatrix als Nachweis für interne Bewerbungen zulassen, sodass die Akzeptanz für den IKK Talente-Transfer noch weiter steigen wird."

Frau Rosenberg, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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