Betriebsvereinbarungen können einen verbindlichen Rahmen schaffen, so dass Beschäftigte ihre Arbeitszeit flexibel an ihren familiären Bedarf anpassen können. Familienfreundliche Schichtmodelle (zum Beispiel „Eltern-Schichten“) können bei Schichtarbeit die notwendige Verlässlichkeit ermöglichen, um zum Beispiel die Arbeitszeit mit den Bring- und Holzeiten bei der Kinderbetreuung vereinbaren zu können. Auf die Arbeitszeit bezogene Regelungen sind ein zentraler Anker für mehr Familienfreundlichkeit im Unternehmen.
Drei mögliche Regelungsinhalte für Betriebsvereinbarungen zur Arbeitszeit sind:
1. Flexible Arbeitszeit durch Gleitzeitkonten
Gleitzeitkonten sind Arbeitszeitkonten, auf denen Plus- und Minusstunden erfasst werden, die durch eine flexible Arbeitszeitgestaltung entstehen. Beschäftigte können so Beginn und Ende ihrer Arbeitszeit innerhalb festgelegter Rahmenzeiten selbst steuern und sowohl Zeitguthaben als auch Minusstunden später ausgleichen. Unternehmen behalten gleichzeitig den Überblick über Arbeitszeitstände und können die Arbeitsbelastung steuern.
Beitrag von Gleitzeitkonten zur besseren Vereinbarkeit
Betriebsvereinbarungen zu Gleitzeitkonten regeln die Arbeitszeitflexibilität strukturiert und verbindlich. Sie schaffen verlässliche, flexible und familienfreundliche Rahmenbedingungen, die es Beschäftigten ermöglichen, ihre Arbeitszeit an familiäre Anforderungen anzupassen – rechtssicher, planbar und entlastend. Transparente Regeln reduzieren Konflikte zwischen Beschäftigten und Führungskräften, indem sie Wünsche der Beschäftigten und betriebliche Anforderungen in Einklang bringen und klar regeln.
Vorteile für Unternehmen:
Flexible Reaktion möglich auf Schwankungen im Arbeitsanfall
Erhöhte Motivation und Produktivität der Beschäftigten, weniger Fehlzeiten
Bindung qualifizierter Fachkräfte
Klare, rechtssichere Abläufe und Einhaltung gesetzlicher Vorgaben
Bessere Vereinbarkeit für Beschäftigte:
Mehr Selbstbestimmung bei der Einteilung der täglichen Arbeitszeit, so dass beispielsweise Arbeitszeiten besser an Kita- und Schulzeiten oder Pflegezeiten angepasst werden können
Handlungsspielraum für den Fall von unvorhergesehenen Situationen (zum Beispiel Krankheit des Kindes)
Zeitguthaben ermöglicht Entlastung in familiären Spitzenzeiten
Schutz vor Überlastung, da klare Regeln zu Erreichbarkeit und Höchstarbeitszeiten festgelegt sind. Dies stärkt Erholungsphasen und die Familienzeit
Planbare und verlässliche Abläufe für den Arbeitsalltag
Übersicht: Mögliche Regelungen zu Gleitzeitkonten
Zeitliche Begrenzung der täglichen Arbeitszeit
Zeitfenster für den frühesten Beginn und das späteste Ende der täglichen Arbeitszeit
Kern- und Rahmenarbeitszeiten
Zeitfenster, in denen im Rahmen der Gleitzeit alle Beschäftigten erreichbar sein sollten
Umgang mit Zeitguthaben und Minusstunden
- Festlegung der Anzahl an möglichen Plus- und Minusstunden (beispielsweise durch Festlegung eines maximal zulässigen Stundenplus und Stundenminus)
- Definition, wie Plus- und Minusstunden entstehen (beispielsweise nur auf Anordnung und/oder nach expliziter Genehmigung der Führungskraft, Umgang mit „freiwilligen Überstunden“)
- Regelung, in welchem Zeitraum der Ausgleich von Plus- und Minusstunden erfolgen soll und zum Umgang mit darüber hinausgehenden Stunden
- Regelungen bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses (bei Plusstunden beispielsweise Ausgleich in Freizeit oder monetäre Vergütung)
Regelung zur Nichterreichbarkeit
- Kommunikationsregeln für Zeiten außerhalb der Arbeitszeit und Vertretungsprozesse
Dokumentation der Arbeitszeit
Regelungen dazu, wie die Arbeitszeit erfasst wird, welches System dazu verwendet wird und wie Abweichungen korrigiert werden
2. Flexible Arbeitszeit durch Jahresarbeitszeitkonten
Jahresarbeitszeitkonten dienen dazu, die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit flexibel verteilen zu können. Bezugsrahmen ist die gesamte Jahresarbeitszeit. Jahresarbeitszeitkonten ermöglichen eine Flexibilisierung über lange Zeiträume und sind insbesondere für Arbeitsbereiche mit unregelmäßigem Arbeitsvolumen, bspw. durch projektspezifische oder saisonale Arbeitsschwankungen, gut geeignet.
„Flexible Arbeit darf nicht verwechselt werden mit Überstundenarbeit. Die Betriebsvereinbarung enthält u. a. einen Plus- und Minus-Stunden-Korridor mit dem Ziel, die Vereinbarkeit zu erleichtern."
Personalleitung eines IT-Unternehmens
Beitrag von Jahresarbeitszeitkonten zur besseren Vereinbarkeit
Betriebsvereinbarungen zu Jahresarbeitszeitkonten verschieben den Blick von der Tages- oder Wochenarbeitszeit hin zur Jahresarbeitszeit. Für Eltern und Pflegende bedeutet das, dass familiäre Phasen mit höheren zeitlichen Anforderungen (zum Beispiel Ferienzeiten, Krankheitszeiten) mit reduzierter Arbeitszeit gestaltet werden können und diese Zeiten in anderen Monaten ausgeglichen werden können. Jahresarbeitszeitkonten können zugleich für Unternehmen ein starkes Steuerungsinstrument sein, etwa indem nachfrage- oder projektbedingte Arbeitsspitzen abgefangen werden.
Vorteile für Unternehmen:
Abfederung von Auftragsspitzen und Saisonzyklen, höhere betriebliche Effizienz
Erhöhte Motivation und Produktivität der Beschäftigten, weniger Fehlzeiten
Bindung qualifizierter Fachkräfte
Klare, rechtssichere Abläufe und Einhaltung gesetzlicher Vorgaben
Bessere Vereinbarkeit für Beschäftigte:
Flexibilität über längere Zeiträume (statt nur tages- oder wochenweise) und mehr Selbstbestimmung bei der Einteilung der Arbeitszeit
Größere Zeitsalden für unvorhergesehene Situationen durch größere Plus- oder Minusstunden
Handlungsspielraum für den Fall von unvorhergesehenen Situationen (zum Beispiel Krankheit des Kindes)
weniger Vereinbarkeitskonflikte durch höhere Selbstbestimmung und (Zeit-)AutonomieReduzierung unfreiwilliger Teilzeitlösungen bei nur vorübergehendem Bedarf
Übersicht: Mögliche Regelungen zu Jahresarbeitszeitkonten
Obergrenzen für tägliche und wöchentliche Arbeitszeit
Schutzregelungen zur Prävention vor Arbeitsüberlastung, beispielsweise durch:
- Begrenzung von saisonbedingten Arbeitsspitzen (beispielsweise von saisonalen Spitzen wie Weihnachtsgeschäft, touristische Hochsaison, wetterabhängige Arbeitsphasen)
- Pflicht zu Pausen und Erholungszeiten
- Grenzen für die maximale Anzahl von Plusstunden
- Recht auf Nichterreichbarkeit außerhalb definierter Zeiten
Flexibilitätsregeln
- Möglichkeit zur temporären Reduktion der Arbeitszeit bei familiären Belastungen (zum Beispiel Schuleingewöhnung, Pflegekrisen)
- Zeitsouveräne Wochenmodelle mit variierender Arbeitszeit
- Erweiterte Spielräume für kurzfristige Freistellungen (bei Krankheit eines Kindes oder akutem Betreuungsausfall)
- Berücksichtigung familiärer Bedarfe bei der Jahresplanung
- Vorrang familienbezogener Arbeitszeitwünsche, sofern betriebliche Gründe nicht entgegenstehen
Umgang mit Zeitguthaben und Minusstunden
- Definition, wie viele Plus- und Minusstunden im Jahresverlauf erlaubt sind (beispielsweise durch Festlegung eines maximal zulässigen Stundenplus und Stundenminus)
- Definition, wie Plus- und Minusstunden entstehen (beispielsweise nur auf Anordnung und/oder nach expliziter Genehmigung der Führungskraft, Umgang mit „freiwilligen Überstunden“)
- Regelung, in welchem Zeitraum der Ausgleich von Plus- und Minusstunden erfolgen soll und zum Umgang mit darüber hinausgehenden Stunden
- Regelungen bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses (bei Plusstunden beispielsweise Ausgleich in Freizeit oder monetäre Vergütung)
Dokumentation der Arbeitszeit
Regelungen dazu, wie die Arbeitszeit erfasst wird, welches System dazu verwendet wird und wie Abweichungen korrigiert werden
3. Familienfreundliche Schichtmodelle
In Unternehmen mit Schichtarbeit bestehen feste Schichtmodelle für die Beschäftigten, um die Betriebsabläufe sicherzustellen. In Schichtarbeit wechseln sich mehrere Beschäftigte oder Beschäftigtengruppen zeitlich versetzt ab, um längere Betriebszeiten oder eine durchgehende Besetzung sicherzustellen. Dazu gehören Früh- , Spät- , Nacht- oder Wechselschichten sowie rollierende Schichtpläne. Wenn Beschäftigte Eltern werden oder Angehörige pflegen, ist es für die Betroffenen oft nicht leicht, Familie oder Pflege und Beruf zu vereinbaren. So genannte „Eltern-Schichten“ als verkürzte Zusatz-Schichten können mit klaren und transparenten Regelungen Belastungen reduzieren und je nach Bedarf planbare Arbeitsstrukturen für Eltern schaffen. Als „Plus“ für Unternehmen helfen solche Schichtmodelle mit, die erforderliche Personalverfügbarkeit und Betriebsabdeckung zu sichern.
Beitrag von Schichtmodellen zur besseren Vereinbarkeit
Um den besonderen Anforderungen von Beschäftigten mit Familien- oder Pflegeaufgaben gerecht zu werden, können diese Personengruppen in einer Betriebsvereinbarung bevorzugt berücksichtigt werden in der Schichtplanung, beispielsweise über Schicht-Wünsche, feste Planungsfristen, verkürzte Zusatz-Schichten oder „Eltern-Schichten“.
Vorteile für Unternehmen:
Reduzierung von Ausfallrisiken von Beschäftigten durch klare Vertretungs- und Tauschregelungen
Sicherstellung der erforderlichen Betriebszeiten durch zusätzliche Schichtmodelle
Höhere Zufriedenheit und geringere Fluktuation der Beschäftigten durch faire und transparente Abläufe
Bessere Vereinbarkeit für Beschäftigte:
Bessere Planbarkeit der Betreuung von Kindern oder Pflegebedürftigen, Arztterminen oder Familien- und Pflegeaufgaben
Höhere Selbstbestimmung, kurzfristige Vereinbarkeitskonflikte und Stress werden vermindert
Übersicht: Mögliche Regelungen zur Schichtplanung
Planbarkeit und Transparenz der Arbeitszeiten
- Frühzeitige Schichtplanung (zum Beispiel 4–8 Wochen im Voraus)
- Begrenzung kurzfristiger Änderungen (zum Beispiel bis max. 48 Stunden vorher)
- Transparente Kriterien, wann und wie Wünsche berücksichtigt werden
Berücksichtigung familiärer Verpflichtungen
- Vorrangige Berücksichtigung von Beschäftigten mit Kinderbetreuungspflichten, mit Pflege von Angehörigen, von Alleinerziehende
- Möglichkeit zur Abmeldung von bestimmten Schichten (zum Beispiel Nachtschichten) aus familiären Gründen
Flexiblere Schichtmodelle
- Verkürzte Schichten für bestimmte Gruppen oder zusätzliche „Eltern-Schichten“ (zum Beispiel angepasst an Öffnungszeiten von Kita und Schulhort oder für Rückkehrer aus der Elternzeit)
- Teilung von Schichten (Teilzeit-Schichtmodelle)
- Nennung von Wunschschichten
- wo betrieblich möglich: variable Anfangs- und Endzeiten
Regelung zur Nichterreichbarkeit
Kommunikationsregeln außerhalb der Schichtzeiten sowie klare Vertretungsprozesse, um Erholungsphasen zu schützen
Schichttausch-Regelungen
Klare Prozesse, wie Beschäftigte Schichten untereinander tauschen können, inklusive Genehmigungspflichten und Fristen